Wenn es cool werden soll – RPA, Irving, API: neue Kundenservices & neue Technologien für Banken
Banken haben oft den Ruf, konservativ zu sein. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt ein anderes Bild: In vielen Banken arbeiten heute mehr Entwickler als bei Microsoft. Sie arbeiten daran, für die Kunden innovative, hochwertige Services zu erstellen – Dienste, die sich dynamisch anpassen lassen müssen, denn Kundenwünsche sind schnelllebig. Und die noch dazu die sich ändernden Marktvorschriften – Beispiel PSD2 – einhalten müssen.
Sven Mulder, CA Technologies
Die digitale Transformation einer gesamten Branche wird getrieben durch neue Mitbewerber aus dem FinTech-Bereich. Einige stehen im direkten Wettbewerb zu den etablierten Instituten, andere bewegen sich in einer Nische für Banklösungen – und bieten Produkte oder Dienstleistungen an, die auf Bankgeschäften basieren, aber in eine andere Richtung zielen.Um bestehen zu können, müssen Banken ihren Kunden immer neue digitale Services anbieten – seien es neue Zahlungsmöglichkeiten (wie E-Wallets), Sicherheitsfunktionen oder Alerts (die sogar auf Wearables ausgespielt werden können). Beispiele dafür gibt es viele.
So verspricht Robotic Prozess Automation (RPA) den Kunden den schnellen Weg zur neuen Bankverbindung oder zum Kredit.”
Software trägt die Daten in die Kunden- und Stammdatenbanken ein, bestellt für den Kunden die Giro- und Kreditkarte und richtet regelbasiert Dispokredite ein. Die Lösung bildet menschliche Aktivitäten an Bildschirm und Tastatur nach.
Die Citibank testet derzeit Irving, einen Geldautomaten mit Sensor, der die Authentifizierung über einen biometrischen Scan des Auges vornimmt. Irving wurde im Oktober 2016 vorgestellt und funktioniert ohne jegliche Knöpfe. Über eine Smartphone-App interagiert der Kunde mit der Bank: Er wählt den gewünschten Betrag aus und blickt Irving anschließend ins Auge – oder besser: in einen kleinen Scanner, der in Augenhöhe angebracht ist. Irving checkt die Aufnahmen auf „Leben“ (Fotos oder Videos von Augen funktionieren nicht) und entwickelt ein verschlüsseltes Template, das die einzigartigen Merkmale der Iris definiert. Stimmen diese Merkmale mit den bei der Bank hinterlegten Scans überein, wird das Geld ausbezahlt. Eine Identifizierung aus größerer Entfernung funktioniert nicht. Mit einem Opt-in wird die Teilnahme am Programm freiwillig.
Hinter der digitalen Transformation
Wie aber schafft man die technologischen Voraussetzungen für die kanalübergreifende Digitalisierung in allen kundenrelevanten Prozessen? Die Umsetzung von Innovationen, neuen Angeboten und Apps für Kunden braucht kreative Entwickler – aber auch die entsprechende Infrastruktur im Backend. Banken müssen heute also ihr monolithisches IT-Modell anpassungsfähiger und schneller machen, um mithalten zu können.
Viele Banken arbeiten an einem modularen „Stack für Bankgeschäfte“, in dem eine programmgesteuerte Plattform direkten Zugriff auf eine Vielzahl von Bankfunktionen ermöglicht und zugleich mehr Compliance, Skalierbarkeit und Flexibilität bieten kann.
Damit stellt sich automatisch die Frage nach dem Reifegrad der APIs bei Banken. Heute versuchen viele Banken noch, Vorschriften wie PSD2 durch ad-hoc entwickelte APIs zu erfüllen. Damit können sie zwar einfache Transaktionen (wie Kontostandsabfragen oder Überweisungen) digitalisieren und zur Verwendung durch Dritte (z. B. Mint.com) verfügbar machen. Nur: Ein umfassendes API-Management bietet ganz andere, nachhaltigere Chancen. Erfahrungen in anderen Branchen wie dem Handel haben gezeigt, dass das Öffnen von APIs für eine Partnercommunity und darüber hinaus zu neuen, lukrativen Geschäftschancen führen kann. Oder gemeinsam mit einer agileren App-Entwicklung in Diensten mündet, die für Kunden attraktiv sind und damit die Marktposition des Finanzinstituts stärken. Iris-Scan und Schalterroboter sind hier nur der Anfang.aj
Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
https://itfm.link/39392
Schreiben Sie einen Kommentar