STUDIEN & UMFRAGEN13. Februar 2025

Experian-Studie: GenAI hat Betrugslandschaft für immer verändert

Studie zur Veränderung der Betrugslandschaft durch GenAI
KI, DALL-E

Eine Studie des Daten- und Technologieunternehmens Experian zeigt die Veränderung der Betrugslandschaft durch generative KI (GenAI). Befragt wurden 449 leitende Verantwortliche für die Betrugsbekämpfung sowie Entscheidungsträger aus den Branchen Finanzdienstleistungen, Telekommunikation und E-Commerce in acht Ländern, darunter Deutschland. Demnach bestätigen 76 Prozent der deutschen Befragten, GenAI habe die Betrugslandschaft für immer verändert.

Die größten Herausforderungen für eine bessere Betrugsbekämpfung bei deutschen Unternehmen bestünden einerseits in einem Mangel an KI-basierten Anti-Betrugslösungen. Andererseits in der Unfähigkeit, Machine-Learning-Modelle (ML-Modelle) einzusetzen. Entsprechend hätten 43 Prozent der deutschen Befragten die Nutzung von ML-Modellen für die Betrugsbekämpfung als Priorität für die kommenden zwölf Monate identifiziert. 61 Prozent der deutschen Unternehmen hätten 2024 mehr Geld durch Betrug verloren als im Vorjahr.

Die Betrugsmethoden seien in den vergangenen zwölf Monaten komplexer und ausgefeilter geworden, heißt es in der Studie. Der Aufschwung von GenAI habe auch zu einer „Industrialisierung des Betrugs“ geführt. Hierbei würden Betrüger synthetische Identitäten, Deepfakes und andere Betrugstaktiken in großem Maßstab und mit Leichtigkeit erstellen und einsetzen.

Boom bei API-Betrug, Geldwäsche und Bot-Attacken

Insbesondere Finanzdienstleister und Telekommunikationsanbieter konstatierten einen Anstieg bestimmter Betrugsformen gegenüber dem Vorjahr. Dies erfordere eine Verbesserung ihrer Verteidigungsmaßnahmen, teilen die Studienautoren mit. Den höchsten Anstieg unter den Betrugsmethoden verzeichne der API-Betrug. 67 Prozent der befragten Finanzdienstleister und Telekommunikationsanbieter konstatieren demnach eine Zunahme dieser Art des Cyberbetrugs. Hierbei nutzen Angreifer Schwachstellen in Application Programming Interfaces (APIs) aus, um unbefugten Zugriff auf Systeme zu erlangen oder sensible Daten zu stehlen.

Experian

64 Prozent der Befragten hätten einen Anstieg des „Money Muling“ erkannt. Dabei handelt es sich um eine Form der Geldwäsche, bei der Kriminelle sogenannte „Money Mules“ oder „Geldesel“ anwerben, um ihre Bankkonten für den Transfer illegal erworbener Gelder zu nutzen.

Auf Rang drei der vermehrt beobachteten Betrugsmethoden rangierten mit 63 Prozent Bot-Betrugs-Attacken. Diese nutzen automatisierte Skripte (Bots), um verschiedene Arten von Online-Betrug durchzuführen. Eine wichtige Unterform dieser Angriffe stellt „Credential Stuffing“ dar. Dabei probieren Cyberkriminelle große Mengen gestohlener Anmeldedaten automatisiert auf verschiedenen Websites aus.

Experian

Künstliche Intelligenz revolutioniert den Kampf zwischen Unternehmen und Betrügern. Globale Bedrohungen erfordern den Einsatz modernster Technologien und Datenanalysen, um neuen Gefahren stets einen Schritt voraus zu sein. Regelbasierte Modelle reichen nicht mehr aus, um auf die sich dynamisch entwickelnde Bedrohungslage zu reagieren und somit der Sorgfaltspflicht gegenüber den eigenen Kunden nachzukommen.“

Jochen Werne, CEO von Experian DACH

Global agierende Unternehmen mit KI-basierten Fähigkeiten zur Transaktionsanalyse seien heute am besten in der Lage, diese Gefahren abzuwehren. Dabei sei die kontinuierliche Weiterentwicklung und KI-basierte Verfeinerung der Modelle entscheidend, um persönliche und finanzielle Daten in einer zunehmend digitalen Welt dauerhaft schützen zu können, so Werne weiter.

KI zur Eindämmung von GenAI

Die Studie kommt weiter zum Ergebnis: 76 Prozent der deutschen Befragten meinen, GenAI habe die Betrugslandschaft für immer verändert. Um sich in diesem Umfeld zu behaupten, müssten Unternehmen selbst zu KI greifen und fortschrittliche Tools für die Erkennung und Eindämmung von betrügerischen Aktivitäten einsetzen. Darüber hinaus würden das Teilen anonymisierter Betrugsdaten und die Zusammenarbeit wichtiger. 61 Prozent der befragten deutschen Unternehmen hätten das erkannt und wollten verstärkt auf Kooperation setzen. Sie erwarteten eine immer wichtigere Rolle von Anti-Betrugskonsortien bei der Betrugsbekämpfung in den nächsten fünf Jahren.

Experian

Die Integration ML-basierter Betrugsprävention ist für Unternehmen weniger eine Option als eine Notwendigkeit, um sich gegen die aktuellen, hochentwickelten Betrugsmethoden zu wehren. Unternehmen dürfen die Einführung neuer, flexibler Lösungen zur Betrugsbekämpfung nicht länger aufschieben. Bei Experian konzentrieren wir uns weiterhin auf Innovationen und integrieren die neuesten Technologien, um die Betrugserkennung zu verbessern.“

Shail Deep, COO von Experian EMEA & APAC

Verantwortliche bei Finanzdienstleistern, Telekommunikationsanbietern und Online-Händlern hätten mittlerweile erkannt, dass sie verstärkt auf Orchestrierungsplattformen setzen müssten. Laut Studie bestätigen 75 Prozent der deutschen Befragten: Orchestrierungsplattformen sind für die Verwaltung mehrerer Anti-Betrugswerkzeuge zukünftig essenziell. Da entsprechende Tools und Plattformen zunehmend in der Cloud genutzt würden, habe die Migration bestehender Anti-Betrugslösungen aus dem eigenen Rechenzentrum in die Cloud beziehungsweise die Umstellung auf eine SaaS-Lösung für 48 Prozent der Befragten Priorität für die kommenden zwölf Monate.

Die vollständige Studie steht nach Angabe der Kontaktdaten hier zur Verfügung.dw

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